Vergleich Claire Zachanassian - Michael Kohlhaas

 

In den Werken „Der Besuch der Alten Dame“ und „Michael Kohlhaas“ wird das Thema Recht und Gerechtigkeit behandelt. Beiden Hauptfiguren Claire Zachanassian und Michael Kohlhaas wurde Unrecht angetan. Jedoch gehen beide unterschiedlich damit um.
Wie sieht es mit dem Recht, der Rechtsauffassung, der Gerechtigkeit und dem Rechtssystem aus in dem sich die beiden Protagonisten befinden?
 

Gerechtigkeit?

 
Für Claire Zachanssian ist Gerechtigkeit nur mit Rache zu erreichen und zudem auch ein käufliches Gut. D.h. wer genügend Geld hat kann sich die Gerechtigkeit „erkaufen“.
 
Alfred Ill sieht jedoch nur in der Versöhnung die Chance auf Gerechtigkeit. Er hofft darauf, dass Claire ihm verzeiht. Jedoch nimmt er nach einiger Zeit die Strafe an und büßt damit für sein Begangenes Unrecht an Claire.
 
Die Güllener sehen die Gerechtigkeit, nur dann wieder hergestellt, wenn eine Strafe für den „Übeltäter“ erfolgt. Diese Meinung vertreten sie allerdings erst, als sie im Tausch für die Strafe Geld erhalten.
 
Für Michael Kohlhaas steht eindeutig im Vordergrund, dass seine, durch das Begangene Unrecht, Ehre wiederhergestellt wird. Zudem möchte er Wiedergutmachung und erwartet Sühne.
 

Rechtsauffassung?

 
Michael Kohlhaas hält es für Notwendig, dass Rechtssicherheit durch Gesetze herrscht. Diese Gesetze sollen das Zusammenleben regeln und schaffen zeitgleich auch Ordnung. Jedoch regeln zu der Zeit von Kohlhaas nur die Staats- bzw. Landesherren diese Ordnung und dadurch kommt es zwangsläufig zum Konflikt „Absolut gegen Aufklärung“. Im Absolutistischen System steht ein starker Herrscher und starker Staat an der Spitze. Sie vertreten ein paternalistisches Denken, d.h. die „Untergebenen“ werden bevormundet und entmündigt. Wenn dies versagt entsteht daraus Gewalt.
 
Claire Zachanassian will Rache ausüben. Für sie gibt es keine Gesetze die sie daran hindern könnten, da sie durch ihr Geld Macht besitzt. Als Voraussetzung benötigt sie den Zustand der Gesetzlosigkeit um ihre Rache durchsetzen zu können. Daraus entsteht Anarchie und ohne jegliche Gesetze auch ein Verlust der Moral.
 

Gemeinsamkeiten:

  • Beide werden zu Beginn der Handlung äußerst positiv gesehen. So wird Kohlhaas als angesehener Bürger gesehen und Zachanassian als Wohltäterin ihres Heimatdorfes. Allerdings kippt diese Einschätzung bei beiden im Laufe der Handlung.
  • Beide sind total darauf fixiert Gerechtigkeit zu erlangen
  • Im Verlaufe der Handlung vollziehen sie keine innere Entwicklung
  • Ihr Rechtsgefühl macht sie zu Mördern (Claire: Mordauftrag, Kohlhaas: Morde gegen Unschuldige
  • Alles wird vernachlässigt nur um zu ihrem Recht zu kommen (Kohlhaas vernachlässigt seine Familie und würde sogar sich selbst Opfern)
  • Beide handeln übermäßig, deshalb wird das eigentliche Recht, das ihnen zusteht zu Unrecht
  • Sie nehmen keine Rücksicht auf Verlust
  • Sowohl Claire als auch Kohlhaas sehen sich als Teil des Gerichtes (Claire sogar als Instanz persönlich)

Unterschiede:

  • Claire überlebt, wohingegen Kohlhaas am Ende des Werkes stirbt
  • Kohlhaas sieht nach einer gewissen Zeit seine begangene Fehler ein und ist bereit dafür zu büßen
  • Komplett andere Voraussetzung: Claire ist die „reichste Frau der Welt“ und Kohlhaas nur ein Pferdehändler, der hart für sein Geld arbeiten muss
  • Kohlhaas versucht über Gerichte sein Recht zu erlangen, was jedoch aufgrund von Korruption nicht glückt
  • Der Konflikt von Kohlhaas nimmt deutlich größere Dimensionen an (politische, religiöse,..)
  • Im Gegensatz zu Claire (Meinung, dass man mit Geld alles kaufen kann) deutlich weniger Hilfsmittel um ihre Ziele durchsetzen zu können (nur Bande von Räubern die Gewalt schüren)
  • Durch Kohlhaas’ Rache werden Unschuldige zu Toten, Claire hingegen agiert nur als Mordaufträgerin von Ill
  • Kohlhaas kämpft gegen die vorherrschenden Missstände an und richtet sich gegen die Obrigkeit und weiß teilweise auch die Bevölkerung hinter sich. Bei Claire und den Güllenern stehen finanzielle Aspekte im Vordergrund
  • Die beiden Werke spielen in einer völlig anderen Zeit (Dürrenmatt:1956, Gegenwart) und Kleist stellt die Handlung in die Vergangenheit zurück (erste Hälfte des 16.Jahrhunderts, Zeit der Reformation)